Eine Bestandsaufnahme von Thomas Nitzsche, Kreisvorsitzender der FDP Jena und OB Kandidat
Symbolträchtiges Timing: Gerade schließt sich die Jenaer SPD der FDP-Kritik an, Gastschulbeiträge an der Musik- und Kunstschule wären ein falsches Signal der Stadt an das Umland (siehe Thüringer Landeszeitung), da fährt ihr OB die Ernte einer Politik ein, die Kooperation predigt und Hegemonie praktizieren will. Im Oktober wollte er dem Stadtrat mit der Resolution zum Kommunalen Finanzausgleich huckepack einen völlig sachfremden Beschluss zur Gebietsreform unterjubeln.
Das hat der Rat zwar abgelehnt, aber wie so etwas im Umland ankommt, sieht man: Kahla hat Angst vor Jena. So sehr, dass die dortige SPD (!) ein Parteienbündnis für einen starken Bürgermeister-Kandidaten schmiedet, der die Stadt vor einer befürchteten Einverleibung durch Jena schützen soll (Ostthüringer Zeitung).
Wo Alt-OB Röhlinger mit den Landräten Mascher und Heller über fast zwei Jahrzehnte kooperative Augenhöhe zum beiderseitigen Vorteil real vorlebte, wird heute aufgerüstet, kann von einem Klima des Vertrauens nicht mehr die Rede sein. Auch das Oberzentrum Jena kann sich aber nur mit dem Umland weiter entwickeln, nicht gegen das Umland. Das haben Wirtschaftsverbände wie der BVMW längst erkannt, der seine Kreisverbände Jena und SHK bereits fusioniert hat. Auch die beiden FDP-Verbände rückten Anfang 2011 nochmals enger zusammen, sie leben freiwillige Interkommunale Zusammenarbeit selbst vor.
Drittes Thema, gleicher Zusammenhang: Die taz wirft Jena Kleingeist gepaart mit streberhafter Überheblichkeit vor (OTZ und http://www.taz.de/Jenas-Image/!83307/). Statt uns nun auch darüber öffentlich zu empören, sollten wir in Demut zur Kenntnis nehmen, dass neben dem respektvollen "München des Ostens" auch dieses Bild von Jena in der Republik existiert, auch im direkten Umland raunt man das. Dagegen kann man etwas tun, und auch das fängt beim nach außen getragenen Selbstverständnis an.