Am 22. Oktober 2011 feierte Hermann Marx in Bonn im Kreise seiner Familie und der Freunde bei bester Gesundheit seinen 87. Geburtstag. Wenige Tage später, am Montag, 14. November, stand ein großes Jubiläum an. Gefeiert wurde die 65-jährige Mitgliedschaft in der FDP, wobei bemerkt werden muss, dass Marx am 16. November des Jahres 1946 als Jenaer Jurastudent der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) beitrat, in der Sowjetischen Besatzungszone zugelassen seit Juli 1945 und damals noch ein Pendant zur westdeutschen FDP.
Diese kleine Feinheit in der Biografie von Hermann Marx ist bemerkenswert, denn er wurde erst zehn Jahre später korrekterweise FDP-Mitglied, als er nach über vier Jahren Haft im DDR-Zuchthaus Bautzen entlassen wurde und sofort in die Bundesrepublik übersiedelte. Marx war 1948 als Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe der Friedrich-Schiller-Universität gewählt worden. Etwa ein Zehntel der seinerzeit 2500 Studierenden gehörten ihr an, und Marx leitete ab 1949 den Ausschuss für Hochschul- und Studentenfragen bei der LDPD-Parteileitung. Die Hochschulgruppe widersetzte sich vehement den Gleichschaltungsprinzipien der SED wie auch gegen die Einführung des obligatorischen Unterrichts in Marxismus-Leninismus-Stalinismus. Am 21. März 1952 wurde Marx zusammen mit anderen Mitgliedern der Liberalen Hochschulgruppe verhaftet und in einem Geheimprozess von nur zehn Minuten Dauer vom Landgericht Greifswald zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Andere Mitangeklagte erhielten Strafen von acht bis zweieinhalb Jahren. Damit war die Liberale Jenaer Hochschulgruppe endgültig zerschlagen.
In der Bundesrepublik war Marx zunächst Gerichtsreferendar, später kommissarischer Bundesgeschäftsführer der FDP und Abteilungsleiter im Innenminsterium unter Hans-Dietrich Genscher. In dieser Eigenschaft war er als ehemaliger DDR-Staatsfeind maßgeblich beteiligt an der Ausarbeitung des Grundlagenvertrages zwischen der DDR-Regierung und der sozialliberalen Koalition der Bundesrepublik (1972) unter dem SPD-Kanzler Willy Brandt.
Marx gehört zum Kreis der Förderer und Freunde der Friedrich-Schiller-Universität, begleitet, wenn auch nur noch selten in Jena präsent, nach eigenen Worten "mit großer Freude" die Entwicklung der FSU und werde dieser Stadt bis zu seinem Lebensende verbunden bleiben.
Zum Jubiläum der Parteimitgliedschaft überreichten ihm am 14. November Gabriele Renatus, FDP-Bundesgeschäftsführerin, und Patrick Kurth (MdB und Generalsekretär der FDP Thüringen), neben einigen anderen Jena-Präsenten auch das Buch des Journalisten Heinz Voigt "Jena-Spaziergang für Liebhaber" mit persönlicher Widmung des Ex-OB Dr. Peter Röhlinger, des Autors sowie des Verlegers Heinz-Herbert Reimer.