Heftige FDP-Kritik am Zwang zur Gemeinschaftschule,
von Michael Groß.
"Vergemeinschaftsverschulung" heißt das Wort, das bei der FDP-Fraktion im Stadtrat die Runde macht.
Gemeint ist der Drang nach dem Aufbau von Gemeinschaftsschulen. Doch es handelt sich um ein Angebot auf freiwilliger Basis, betont Alexis Taeger von der FDP-Stadtratsfraktion. Und er wie auch seine Kollegen Andreas Wiese (Fraktionschef) und Dr. Thomas Nitzsche spielen damit auf das Papier des Sonderausschusses Schulnetzplan an, in dem der Aufbau einer Gemeinschaftsschule durch die Trießnitz-Grundschule und die Regelschule Winzerla vorgesehen ist.
So etwas könne nur gemacht werden, wenn beide Schulen das wirklich wollen. Derzeit wehrt man sich aber an der Trießnitzschule.
Nitzsche, selbst Vorsitzender des Sonderausschusses Schulnetzplan, kann das verstehen, habe doch die Trießnitzschule ein europaweit beachtetes integratives Konzept und könne noch mehr Schüler aufnehmen, was bei steigendem Bedarf an Grundschulplätzen wichtig sei.
Nach Ansicht von Dr. Nitzsche solle die Trießnitzschule am Standort Buchenweg bleiben. Wenn es gewollt sei, könne die Regelschule Winzerla hinzukommen. Das frei werdende Regelschulhaus in der Oßmaritzer Straße könnte die Gemeinschaftsschule des Querwege-Vereins und die gerade gestartete 2. Jenaplanschule aufnehmen.
Überhaupt stehen die Liberalen der Gemeinschaftsschule eher skeptisch gegenüber.
Dadurch würde die Wahlfreiheit der Eltern eingeengt.
Werden die Gemeinschaftsschulen so errichtet, wie die Verwaltung es vorgeschlagen hat, dann gebe es bald keine einzige Regelschule mehr in Jena.
Außerdem: Auf Grund der Knappheit von Grundschulplätzen bleibe dann manchen Eltern nur die Wahl der Gemeinschaftsschule. Das aber wollen viele nicht, weil sie ihre Kinder nach Klasse 4 aufs Gymnasium schicken möchten.
Zu dem auch im Ausschuß noch umstrittenen Papier wurden nun alle Schulen gebeten, schriftlich Stellung zu nehmen. Schulen, die es wünschen, können noch vor den Herbstferien angehört werden.
Nach Beratungen will der Ausschuß dann letztlich entscheiden, und im November liegt das Gesamtpaket im Stadtrat zum Beschluß vor.